Samstag, 20. August 2016

Die Bedeutung von Fruktan bei der Hufrehe

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Die Bedeutung von Fruktan bei der Hufrehe
Die Bedeutung von Fruktan bei der Hufrehe und welche Regeln gelten für das Weiden der Pferde

Wie kann das Hufreherisiko der Pferde beim Weidegang verringert werden?

In letzter Zeit gibt es immer wieder Diskussionen über die Rolle des Weidegangs der Pferde bei der Entstehung der Hufrehe. Dabei gilt das Kohlenhydrat Fruktan als einer der Auslöser für diese Erkrankung. Viele Pferdehalter fühlen sich verunsichert und wissen nicht, wie sie sich am besten verhalten sollen. Im folgenden Artikel soll die Panik ein wenig genommen und dargestellt werden, wie sich die Hufrehe auch beim Weidegang verhindern lässt.
Wichtiger Hinweis dazu: Hufrehe ist in aller Regel eine Erkrankung durch multiple Faktoren. Wenn begünstigende Faktoren, wie z.B. Fettleibigkeit, vorliegen, kann auch durch Weidegang nach den genannten Regeln eine Hufrehe ausgelöst werden.

Was ist Fruktan?

Fruktan ist ein polymeres Kohlenhydrat, welches in bestimmten Gräsern als Energiezwischenspeicher fungiert. Es wird während der Fotosynthese aus einfachen Zuckern gebildet und dient als Energiereserve für das Wachstum der Pflanze. Dabei gibt es fruktanarme und fruktanreiche Gräser. Deshalb gleichen sich auch die einzelnen Weiden nicht in ihrem Gesamtgehalt an Fruktanen. So kommt es auf die Zusammensetzung der Gräser auf der Weide an. Besonders fruktanreich sind beispielsweise Deutsches Weidelgras, Welsches Weidelgras oder Hybrid-Weidelgras, während Rotschwingel, Wiesenlieschgras oder Wiesenfuchsschwanz sehr arm an Fruktanen sind. Allerdings schwankt der Fruktangehalt in den einzelnen Pflanzen bedingt durch die Witterung, die Jahreszeit und die Tageszeit. Der Fruktangehalt ist immer von der Energiezufuhr durch das Sonnenlicht und von den Wachstumsbedingungen der Gräser abhängig. Bei starker Sonneneinstrahlung wird die Energie zunächst in Form von Kohlenhydraten wie Fruktan oder Stärke gespeichert. Fruktan wird dann beim Wachstum der Pflanze verbraucht. Wenn zwar Fruktan gebildet wird, aber das Wachstum stockt, sammelt es sich in den Stengeln der Gräser so lange an, bis wieder günstige Wachstumsbedingungen vorherrschen.

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Wieso ist Fruktan so gefährlich für die Pferde?

Fruktan kann im Dünndarm der Pferde nicht verdaut werden. Daher gelangt es in den Dickdarm und wird dort durch die vorhandenen Mikroorganismen abgebaut. In der Folge dieser Abbaureaktionen übersäuert der Darm. Dabei wird die Darmflora des Pferdes zerstört. Bei ihrer Zerstörung werden Toxine freigesetzt, welche über komplizierte biochemische Prozesse zu einer Störung der Mikrozirkulation des Blutes in den Hufen der Tiere führen. Es kommt zu einer schmerzhaften Entzündung der Huflederhaut zwischen dem Endknochen des Hufbeines und dem Hornhautkörper des Hufes. In Extremfällen kann das Hufbein durchbrechen, wobei es zur sogenannten Ausschuhung kommt.

Andere ernährungsbedingte Faktoren für eine Hufrehe

Neben den Fruktanen kann aber auch bei einer Überfütterung der Tiere mit leicht verdaulichen Kohlenhydraten die Kapazität der normalen Darmflora überschritten werden. Auch in diesen Fällen kommt es zu Koliken, Verdauungsstörungen und gegebenenfalls durch Übersäuerung des Darmes zur Zerstörung der Darmflora mit der Folge einer Hufrehe. Zumindest sind überernährte Pferde dann anfälliger gegen eine Hufrehe, die dann durch zusätzliche Aufnahme von Fruktanen entstehen kann. Bis vor Kurzem herrschte noch die Auffassung vor, dass die Hufrehe durch bestimmte Eiweiße hervorgerufen wird. Diese Annahme hat sich nicht bestätigt. Schuld an den ernährungsbedingten Fällen von Hufrehe ist der hohe Kohlenhydratgehalt und speziell der hohe Fruktangehalt in der Nahrung. Überernährte Pferde leiden häufig an einem metabolischen Syndrom. Das metabolische Syndrom ist durch Überfettung und hohen Blutzuckergehalt gekennzeichnet. Das Insulin der Bauchspeicheldrüse ist nicht mehr in der Lage, mit dem Kohlenhydratangebot in der Nahrung fertig zu werden. Bei weiterer Fehlernährung oder zusätzlicher Fruktanzufuhr kann sich sehr schnell eine Hufrehe herausbilden. Das Gleiche gilt auch beim Cushingsyndrom. Das Cushingsyndrom stellt eine Hormonstörung dar, die zu einem hohen Blutzuckerwert durch Abbau körpereigener Proteine (Muskelproteine) führt. Auch Pferde mit Cushingsyndrom sind gefährdet, eine Hufrehe zu bekommen.

Wie kann eine Hufrehe verhindert werden?

Die Hufrehe ist in der Regel keine eigenständige Erkrankung. Sie stellt meist nur ein Symptom einer weitergehenden Störung dar. Oftmals präsentiert sie sich als dominierendes Symptom dieser Störung. In den meisten Fällen sind die Pferde vorbelastet. Ein wichtiger Faktor ist die Ernährung. Überernährte Pferde und Pferde mit wenig Bewegung haben ein erhöhtes Risiko, an Hufrehe zu erkranken als optimal ernährte Pferde und Pferde mit viel Bewegung. Bei diesen Pferden reichen schon geringere Mengen an Fruktan, um die Rehe auszulösen. So ist bereits eine wichtige Maßnahme, die Ernährung umzustellen und den Pferden mehr Bewegung zu verschaffen, um die Hufrehe zu verhindern. Eine andere Maßnahme ist selbstverständlich ein gutes Weidemanagement. Die Pferde müssen nicht zwangsläufig auf das Weiden verzichten. Es soll jedoch so gestaltet werden, dass auch rehegefährdete Tiere von der Hufrehe verschont bleiben. Hilfreich dabei können auch Fressbremsen/maulkörbe für Pferde sein.

Was ist beim Weiden der Pferde zu beachten?

Wie bereits erwähnt, gibt es fruktanreiche und fruktanarme Weiden. Das hängt von der Zusammensetzung des Weidegrases ab. Heute gelten viele Weiden als fette Weiden. Sie sind also reich an Kohlenhydraten und speziell Fruktanen. Eigentlich wurden diese Weiden für die Milchkühe aufgezogen, um eine hohe Milchproduktion zu gewährleisten. Pferde stammen jedoch ursprünglich aus kargen steppenartigen Gegenden und haben nicht so hohe Ansprüche an den Nährstoffgehalt. Ihr Stoffwechsel ist so angelegt, dass sie mit wenig auskommen und alle vorhandenen Nährstoffe aufschließen können. Wenn sie auf fetten intensiv genutzten Weiden stehen, erleben sie ein Überangebot an Nährstoffen und besonders Kohlenhydraten, sodass sie leicht zur Überernährung neigen. Die zusätzlichen Fruktane beschleunigen jedoch dann noch die Ausbildung einer Hufrehe. Gesunde Pferde auf extensiven Weiden haben nur ein geringes Risiko, an Hufrehe zu erkranken. Bei intensiv genutzten Weiden und bei rehegefährdeten Pferden sollte der Weidegang der Tiere jedoch zu Zeiten niedriger Fruktangehalte stattfinden. Wie weiter oben ausgeführt, ist der Fruktangehalt der Pflanzen abhängig von den Witterungsbedingungen, den Jahreszeiten und den Tageszeiten. Bei hoher Sonneneinstrahlung, aber niedrigen Temperaturen unter fünf Grad Celsius findet zwar die Fotosynthese, aber kein Wachstum statt. Es werden Fruktane gebildet und in den Stängeln der Gräser zwischengelagert. In den Blättern kommt es zur Stärkespeicherung. Trotz Sonneneinstrahlung findet auch bei Trockenheit oder bei Mineralmangel kein Wachstum statt. Fruktane werden aber trotzdem gebildet. Das Risiko für eine Hufrehe ist in diesen Fällen groß. Bei starker Sonneneinstrahlung, warmem Wetter, ausreichender Feuchtigkeit sowie ausreichender Mineralversorgung wächst die Pflanze. Die gebildeten Fruktane werden sofort für das Wachstum verbraucht. Das Risiko für die Ausbildung einer Hufrehe ist hier mittelmäßig. Bei warmer aber bewölkter Witterung und ausreichender Versorgung mit Feuchtigkeit beziehungsweise Mineralien werden aufgrund der geringen Fotosynthese kaum Fruktane gebildet. Die vorhandenen Fruktanzwischenspeicher werden aber zum Wachstum der Pflanze abgebaut. Bei diesen Bedingungen besteht nur ein geringes Reherisiko.

Welche Regeln gelten für das Weiden der Pferde und warum ist das so?

1) Bei Sonne und niedrigen Temperaturen (dauerhaft Temperaturen unter 10 Grad oder Frost) besteht ein großes Risiko für die Pferde, an Hufrehe zu erkranken, weil der Fruktangehalt der Gräser sehr hoch ist. Das ist insbesondere für die Übergangsmonate April, Mai, Oktober und November relevant.

Erklärung:
Sonneneinstrahlung bedeutet Energiezufuhr. Durch die Fotosynthese werden in den Gräsern Kohlenhydrate gebildet, die eigentlich zum Wachstum verwendet werden sollen. Bei niedrigen Temperaturen oder gar Frost kann die Pflanze aber nicht wachsen. Die produzierten Kohlenhydrate werden in Form von Fruktanen in den Stängeln zwischengelagert.

2) Bei Nachtfrost besteht immer ein großes Hufreherisiko.

Erklärung:
Während des Nachtfrostes wird das Wachstum der Gräser gestoppt. Gespeichertes Fruktan kann nicht mehr abgebaut werden. Besonders wenn es an den Tagen dazu noch warm und sonnig wird, steigt der Fruktangehalt am stärksten, weil sich dann das Verhältnis von Fotosynthese zu Wachstum zugunsten der Fotosynthese verschiebt.

3) Bei nährstoffarmen Böden sollte das Düngen nicht eingestellt werden, um das Wachstum der Gräser zu gewährleisten und ihren Fruktangehalt niedrig zu halten.

Erklärung:
Je nährstoffreicher der Boden ist, desto besser wachsen die Gräser. Wenn ansonsten alle Wachstumsbedingungen günstig sind, verringert sich dadurch der Fruktangehalt der Gräser.

4) Wenig bekannt ist, dass abgegraste oder abgemähte Weideflächen einen höheren Fruktangehalt aufweisen, als nicht gemähte oder nicht abgegraste Flächen, weil sich Fruktan in den Stängeln der Pflanzen ansammelt. Deshalb sollten die Pferde nicht auf abgegrasten oder abgemähten Weideflächen grasen. Wobei hier natürlich auch die Dauer des Weideaufenthaltes und die aufgenommene Menge Gras eine Rolle spielt.

Erklärung:
Fruktan wird in den Stängeln der Pflanzen gespeichert, während sich in den Blättern hauptsächlich Stärke ansammelt. Auf abgegrasten Weiden stehen jedoch nur noch die Stängel.

5) In den Sommermonaten, bei Sonnenschein und in milden Nächten enthalten die Gräser vormittags am wenigsten Fruktan. Im Laufe des Tages wird wieder Fruktan gebildet. Die günstigste Zeit für den Weidegang ist hier der Vormittag.

Erklärung:
In den Nächten findet keine Fotosynthese statt. Daher wird auch kein Fruktan gebildet. Wenn die Nächte warm sind, wachsen die Pflanzen jedoch auch in der Nacht und Fruktan wird verbraucht. Im Laufe des warmen und sonnigen Tages laufen dann zwei Prozesse ab. Es wird Fruktan gebildet und gleichzeitig durch Pflanzenwachstum wieder verbraucht. Die Synthese von Fruktan übertrifft jedoch den Verbrauch.

6) Bei warmem und bewölktem Wetter sollte der Weidegang am Nachmittag oder Abend erfolgen.

Erklärung:
Bei Bewölkung ist die Lichteinstrahlung verringert und dadurch auch die Fotosynthese. Es bildet sich weniger Fruktan. Durch die Wärme findet jedoch ein kontinuierliches Pflanzenwachstum statt, welches dann tagsüber am höchsten ist. Der Verbrauch an Fruktan ist somit höher als seine Synthese.

7) Bei Trockenheit sollten die Pferde nicht auf die Weide.

Erklärung:
Wassermangel verhindert das Wachstum der Gräser. Die Fotosynthese findet jedoch trotzdem statt, wobei wiederum Fruktan gespeichert wird.

Fazit

Allgemein sollten die Pferde bei reduzierter Fotosynthese und hohem Wachstum auf die Weide geschickt werden. Das gilt bei Dunkelheit, Bewölkung, Wärme und Feuchtigkeit. Deshalb kann bei Wärme, Feuchtigkeit und ausreichender Düngung die beste Weidezeit spät nachts oder früh am Morgen sein. Bei Bewölkung, Wärme und Feuchtigkeit ist die beste Zeit zum Weiden nachmittags und abends. Allerdings ist Fruktan nicht der einzige Auslöser der Hufrehe. Es scheint ein Zusammenwirken mehrerer Faktoren notwendig.

Donnerstag, 2. Juli 2015

Sonntag, 3. Mai 2015

Der Knochenbrecher

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Dienstag, 24. März 2015

Sonntag, 22. März 2015

Frühling in Meura

http://m.otz.de/startseite/detail/-/specific/Fruehlingsbeginn-im-Haflingergestuet-in-Meura-bei-Saalfeld-1861261434

Dienstag, 17. Februar 2015